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Deutschland dienen

Posted in Äußere Sicherheit, Bundeswehr by analyticsdotcom on 02/04/2011

Außenkommunikation Note 6: Recruiting & Schokolade

Nachdem bekanntlich die Bundeswehr durch das übereilte Einstellen der Wehrpflicht und Mangels rechtzeitig entwickelter, funktionierender Rekrutierungskonzepte bereits jetzt schon erkennbar Personalprobleme beim Nachwuchs hat, schlägt die Außenkommunikation bei einigen durch die Bundeswehr beauftragten Marketingunternehmen höchst befremdliche Kapriolen. Da werden allen Ernstes Soldaten mit Schokolade verglichen.

Petra Gnauert, CEO der von der Bundeswehr beauftragten Full-Service Mediaagentur Zenithmedia, lässt sich zu folgender Feststellung bezüglich der heutigen Risiken von Soldaten herab:

.

“Wenn Sie ‘nen Schokoriegel bewerben, dann sagt Ihnen auch keiner, dass Sie davon fett werden können.”

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So einfach ist das also mit unserem Soldaten-Recruiting: Schokoriegel: Fett geworden? Naja, dumm gelaufen! Soldat – angeschossen oder Tod? Auch dumm gelaufen. Die Empörung über diese geistige Hochwertleistung der beauftragten Mediaagentur schlägt mittlerweile bei Soldatinnen und Soldaten hohe Wellen.

Die Leistungen von Soldatinnen und Soldaten können und werden oftmals gar nicht genug gewürdigt. Im Gegenteil: Mir ist weltweit keine Nation bekannt, die so despektierlich mit ihren Soldatinnen und Soldaten umgeht wie die deutsche Nation. Alles politisch anerzogen durch die Nachwehen des Ersten und Zweiten Weltkriegs? Die Antwort lautet eindeutig: Ja, gewollt!

Der Betreiber und Autor des Bendler-Blog ( http://bendler-blog.de ), Sascha Stoltenow, hat folgende, würdige Gedanken und Sätze für Soldaten und Soldatinnen formuliert, die sehr nachdenklich stimmen sollten:

Wir gehen raus. 2 Wochen Höhe 432. Minus 15 Grad in der Nacht. Das ist nicht für jeden was. Aber für die, die es aushalten, ist es alles. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Es war eine Mine aus dem 2. Weltkrieg. 70 Jahre alt, immer noch tödlich. Ich habe die Sprengladung angebracht. 200 Gramm TNT. Jetzt gefährdet die Mine niemanden mehr. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Das Hochwasser war der Hammer. Der Deich war kurz vorm Brechen. Wir mit der Kompanie ran. 10.000 Sandsäcke, dann hielt er wieder. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Wir sind hier, um zu helfen, nicht um zu töten. Aber damals hieß es, er oder ich, und nicht nur ich, sondern auch die Kameraden hinter mir. Wir haben überlebt. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Als Marc in den OP kam, war sein Bein völlig zerfetzt. Wir haben 12 Stunden operiert. 40 Blutkonserven. Wir waren völlig fertig, aber wir haben sein Bein gerettet. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Afghanistan, das ist völlig irre. Extreme Armut, extreme Freundlichkeit. An einem Tag ein heftiges Gefecht, am nächsten Tee mit den Einheimischen. Das ist nicht leicht, aber wir sind gut ausgebildet. Bundeswehr – Deutschland dienen.

Treffender kann man es nicht sagen: Deutschland dienen.

© Ralf R. Zielonka
Bonn, 02. April 2011

6 Antworten

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  1. Ralf R. Zielonka said, on 04/04/2011 at 17:53

    Lieber Adi,

    Deine “robuste” Art als gestandener “BALKAN-Einsatz-Bär” hat immer etwas Faszinierendes an sich.

    Mit schmunzelnden Grüßen

    Ralf

  2. Hans-Heinrich Dieter said, on 04/04/2011 at 11:55

    Ein “Scherbenhaufen” ist die Bundeswehr aus meiner Sicht nicht, wohl aber stehen die Streitkräfte vor schwierigen Problemen. Umso wichtiger ist eine öffentlichkeitswirksame Kommunikation. Ohne wirklich attraktive materielle Anreize wird der erforderliche und geeignete Nachwuchs für die Bundeswehr nicht gewonnen werden können. Die Anerkennung des militärischen Dienstes als Ehrendienst durch die deutsche Gesellschaft muss durch die politisch und militärisch Verantwortlichen erst noch hart erarbeitet werden.

    Siehe auch: http://www.hansheinrichdieter.de/html/gutgemeint.html

    • Ralf R. Zielonka said, on 04/04/2011 at 18:57

      Sehr geehrter Herr General Dieter,

      vermutlich stehen die Streitkräfte sogar vor den größten Problemen seit ihrer Gründung. Es hat schon viele Umstrukturierungen gegeben. Viele Planungen wurden nicht zu Ende geführt. Es sei dahin gestellt, ob dies durch neue Erkenntnise geschah, durch neue politische oder finanzilelle Vorgaben oder Mangels eigener, innerer Kraft der Streitkräfte.

      Die Anerkennung des militärischen Dienstes als Ehrendienst durch die deutsche Gesellschaft hat m. E. primär ganz gravierende Ursachen, die schwerpunktmäßig politisch zu suchen sind. Allein die Art und Weise wie der Afghanistan-Einsatz dem Wähler versucht wurde als “THW-Einsatz mit dem G 36 auf dem Rücken beim Brunnenbohren” zu verkaufen – zu Lasten unserer Soldatinnen und Soldaten, verdient nur die Bezeichnung: Politische Feigheit und fehlendes Rückgrat.

      Ich hatte vor wenigen Monaten Gelegenheit mir ein Video von der Rückkehr kanadischer Soldaten aus Afghanistan in ihrer Heimat anzusehen. Die Begrüßung – die Szenen waren nicht gestellt – von der Bevökerung, von der Polizei und sogar von der Feuerwehr war einfach überwältigend. Und in Deutschland? Soldaten, die aus dem Einsatz zurückkehren, müssen sich bald vorkommen wie geprügelte Hunde. Es interessiert einfach niemanden. Oder noch deutlicher gesagt: Es bringt für die Poliitik, für die Parteien keine Wählerstimmen. Es ist einfach beschämend und niederträchtig, was über Jahre politisch in Deutschland indoktriniert worden ist.

      Nicht nur Verteidigungsminister de Maizière wird Einiges zu richten haben, was die Umstrukturierung der Bundeswehr anbelangt. Die Politik – Regierung und Opposition – werden ebenfalls so Einiges zu richten haben, was Anerkennung des militärischen Dienstes als Ehrendienst durch die deutsche Gesellschaft betrifft. Inhaltslose, jedoch möglichst medienwirksam präsentierte Worthülsen bringen nichts an Glaubwürdigkeit. Und kollektives politisches Versagen ist auch keine Entschuldigung.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ralf R. Zielonka

  3. Jürgen Barthel said, on 03/04/2011 at 13:45

    Auch ich habe den Bericht in der ARD gesehen und war von der Aussage (Schokolade) schockiert. Meiner Meinung nach müssen wir jedoch der Werbeagentur keine Schuld zuweisen, denn die Macher dort müssen “verkaufen” . Das ein Außenbild wie im Werbefilm BW entsteht, ist politisch gewollt. Der Vergleich “Schokoladenriegel” ist einfach nur dumm und zeugt davon, dass Frau Gnauert keine Ahnung um ihr “Produkt” hat, dass sie verkaufen soll. Es wird ein Außenbild einer heilen Welt suggeriert und der “gefährliche Teil” wird verschwiegen. Es sollte aber zu denken geben, dass sie so eine Aussage treffen durfte. Clever von den Redaktueren der Sendung Panorama ihr diese Aussage zu entlocken, die uns zeigt, wie man unseren Beruf in der Öffentlichkeit sieht.

    Aber ich möchte an dieser Stelle gerne die Frage stellen, welche Peinlichkeiten müssen zukünftig denn noch auf die Truppe niederprasseln? Blicken wir in unsere benachbarten Länder und den Umgang mit den Soldaten dort. Der ist anders als bei uns – geschätzt.

    Es entsteht der Eindruck, dass es, wenn es für unsere Politiker gewinnbringend ist diese in der ersten Reihe stehen, wenn es um Versprechungen geht. Aber wie inhaltslos ind diese Aussagen. Dabei möchte ich auf die Postkartenaktion des BundeswehrVerbandes Ende letzten Jahres hinweisen. Bislang hielt es noch kein Politiker für nötig, ein Statement abzugeben. Das ist skandalös, zumal eine Postkartenaktion in einem solch großen Umfang ähnlich wie eine Petition in einem demokratischen Staat ein Zeichen des Ausdrucks einer Meinung ist, die es zu beantworten gilt.

    Es stellt sich die Frage, welche Bundeswehr möchten wir haben?

    Dabei stelle ich mit Erstaunen fest, dass der Personalkörper weiterhin nach unten geschraubt werden soll. Die Anforderungen für das Recruiting werden herabgesetzt. Überaltete Personalstrukturen mit Stehzeiten, die wir in der privaten Wirtschaft und bei unseren Bündnispartnern so nicht finden. Und letztlich auch noch der Gedanke Ausländer für die Bundeswehr zu werben. Es sieht so aus, als bekämen wir das, was wir verdienen – einen bunten Haufen von unterbezahlten und unzureichend ausgebildeten Volksdienern.

    Wo geht die Reise hin?? Der Verteidigungsminister gibt es ja vor. Mehr Freiwilligkeit und Ehrenamt “Tu was für Dein Land”, aber frage nicht zuviel dafür. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen, statt vor einem bestellten Feld, wie sich der ehemalige Verteidigungsminister ausdrückte.

    Wenn ich in der zivilen Wirtschaft so arbeiten würde wäre ich schnell in der Schublade verschwunden.
    Erst eine Reform entwickeln. Dann die Wehrpflicht aussetzen wäre der richtige Weg gewesen.
    Für unseren neuen Verteidigungsminister stehen unruhige Zeiten ins Haus, denn der Unmut in der Truppe steigt.

    Mit Kameradschaftlichem Gruß

    Jürgen

    • Ralf R. Zielonka said, on 04/04/2011 at 18:14

      Sehr geehrter Herr Barthel,

      wie ich aus verschiedenen Gesprächen der vergangen Wochen aus durchaus berufenem Munde vernehmen durfte, hat die Bundeswehr doch so Einiges dazu gelernt, auch was Reservisten anbelangt. Dass trotzdem noch einige politische und kommunikative Patzer geschehen, die deutliche Irritationen bei Soldatinnen und Soldaten hervorrufen, scheint immer noch ein Anhängsel zu sein, welches es auszumerzen gilt.

      Verteidigungsminister de Maizière hat schon noch einige Herkiules-Aufgaben vor sich. Die profesionelle Abarbeitung dieser Aufgaben wird jedoch nicht primär beim Verteidigungsminister liegen, sondern primär an dem Unterbau, den er sich geschaffen hat bzw. noch schaffen wird.

      Unruhe wird die Umstrukturierung auf jeden Fall weiterhin erzeugen. Auch diese Umstrukturierung wird nicht die Letzte sein. Das Wort “Transformation” besagt schon aus sich selbst, dass es sich um einen nicht endenden, kontinuierlichen Veränderungsprozeß handelt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ralf R. Zielonka

  4. Harsche said, on 03/04/2011 at 09:03

    Deutschland dienen ? Warum ? Es geht um`s Verdienen.
    Vielleicht noch treu dienen? Treu hat mein Hund zu sein !
    Und dann auch noch tapfer ? Das war doch vorgestern, (Steiner – das Eiserne Kreuz).
    Wo leben wir?
    Erzählt nichts von Deutschland, das ist doch neo- nationalsozialistisch.
    Und das alle AKW´S sofort abgeschaltet werden müssen ist doch viel wichtiger als Afghanistan !!!

    Mit den freundlichsten Grüßen

    Adi


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